Review: Seesaw, das digitale Portfolio für Lernende

Seesaw bietet jeder Klasse ein kleines und geschlossenes Netzwerk, in welchem die Schüler/innen ihre geleisteten Arbeit präsentieren können. Somit erzeugen die Lernenden fortlaufend ein vielseitiges Portfolio aus Texten, Fotos, Videos oder Zeichnungen, welches von der Lehrperson, den anderen Kindern und auf Wunsch auch von den Eltern eingesehen werden kann. Ich habe die App während rund vier Monaten intensiv getestet und möchte hier meine Erfahrungen weitergeben.

Die Kinder lieben es!

Die Begeisterung der Kinder für Smartphones, Tablets oder Computer ist generell gross. Daher konnte ich viele Schüler/innen bereits von Anfang an davon überzeugen, die App zu nutzen und einzusetzen. Da wir an unserer Schule nur eine limitierte Anzahl an Geräten zur Verfügung hatten, habe ich mich darum bemüht, dass die App auch auf den privaten Geräten der Kinder zu Hause funktioniert. Dank Android, iOs und Browser-Versionen war dies möglich. Top!

Vielfältigkeit der Medien verändert Unterricht

Durch die Möglichkeit, dass man Arbeiten nun fotografieren oder filmen kann, haben sich die Aufgabenstellungen im Unterricht verändert. Man kann die Lernenden nun dazu auffordern ihre eigene Lebenswelt unter die Lupe zu nehmen.

Welche geometrischen Grundbegriffe verstecken sich in meinem Spielplatz hinter dem Haus? Kinder untersuchen dank Fotos und simplem Zeichnungsfunktion ihre eigene Umwelt.

Kein Selbstläufer

Wer denkt, dass die Kinder von nun an fröhlich und motiviert ihre Hausaufgaben auf Seesaw laden und dabei noch die Kunstwerke der anderen Kinder betrachten und kommentieren, täuscht sich. Seesaw fordert viel Aufmerksam kein von der Lehrperson. Umso mehr, weil man zu Beginn die Funktion des Moderator eines Netzwerkes übernimmt, in welchem 20 Kinder zu erst einmal lernen müssen, wie man sich verhält. So sind die Grundeinstellungen so eingerichtet, dass die Lehrperson alle Beiträge und Kommentare zu erst freigeben muss, bevor sie im Klassenfeed erscheinen. Da ich nicht permanent online war, teilweise über das Wochenende gar nie, verzögerten sich spannende Dialoge unter den Kindern teilweise so stark, dass diese im Sand verliefen.

Die Eltern miteinbeziehen oder nicht?

Seesaw bietet die Funktion, dass sich Eltern die Arbeiten ihres Kindes ansehen können. Die Macher von Seesaw versprechen sich damit einen besseren Austausch zwischen der Lehrperson und den Elter, um zum Beispiel an Gesprächen eine bessere Diskussionsgrundlage zu haben.
Ich habe die Funktion nicht genutzt und die Eltern nicht ins Netzwerk eingeladen. Für mich war wichtiger, dass die Kinder möglichst befreit von Druck und auf Eigeninitiative arbeiten können. Ausgewählte Arbeiten habe ich auf einem Blog gepostet, welcher durch Seesaw zur Verfügung gestellt wird und mit einem Passwort geschützt aufgerufen werden kann. Es wäre aber bestimmt einen Versuch wert, das nächste mal die Eltern auch teilhaben zu lassen.

Zusätzlich geleistetes wird sichtbar und kann belohnt werden

Mein Ziel als Lehrperson ist es, die Kinder für die aktuelle Fragestellung zu motivieren und die Augen zu öffnen. Ich wünsche mir, dass die Kinder selbstständig zum Denken anzuregen und zum eigenen Handeln aufzufordern. Wenn mir dies gelingt, möchte ich das Kind dabei unbedingt stärken und weiter motivieren. Die Schwierigkeit dabei ist oft, dass geleistete Arbeiten nicht sichtbar werden.
Mit Seesaw ist es mir gelungen, die Kinder aufzufordern die Welt, in welcher sie leben, genauer unter die Lupe zu nehmen.

Alles im Griff dank Premium Features

Für 80 US Dollar pro Jahr kann man auf die Zusatzfeatures zugreifen. Für mich war dabei das sogenannte „Skillcenter“ die hilfreichste Funktion. Die geposteten Arbeiten der Kinder können durch wenige Klicks einer vorgängig definierten Kompetenz zugeordnet werden und anschliessend mit einem bis vier Sternen bewertet werden. Seesaw erstellt dann automatisch eine Übersicht (siehe Bild unten) aller Kinder, in welcher sehr schnell zu erkennen ist, wer wie viel Arbeit leistet und wie qualitativ gut diese ist.

SeesawSkills
Die Zahlen zeigen die Anzahl eingereichten Arbeiten aus, die Farben wie gut diese sind.

Fazit: Unterricht ohne Seesaw wäre ein Rückschritt

Seesaw hat meinen Unterricht massgeblich geprägt, indem mir durch den Einsatz von diversen Medien neue Tore geöffnet wurden. Es animiert mich dazu Aufgaben zu stellen, welche die Lernenden handelnd und in ihrer eigenen Umwelt gestalten können. Die Kinder wiederum können mir als Lehrperson einen Einblick in all jene Arbeiten geben, welche mir sonst verborgen bleiben würden.
Der Einsatz von Seesaw bedeutet jedoch auch einen Zusatzaufwand, da eine digitale Lernumgebung geschaffen wird, welche genauso wie eine „analoge“ gepflegt und aufgeräumt werden muss.
Trotzdem, Seesaw ist in mein Schulzimmer gekommen um zu bleiben.

 

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